Norway (2) - Von Ålesund nach Bergen

21.06.2022 - Atlantikstraße
Morgens wachten wir ausgeschlafen auf dem Parkplatz auf. Es war zwar bewölkt, aber immer noch trocken. Wir schmierten uns Stullen und packten unseren Rucksack. Dann ging es los ins schönste Tal Norwegens. Der Schotterweg war gut zu gehen, führte aber teils sehr steil bergauf. Die Gipfel der Berge waren leider von den Wolken bedeckt. Wir kamen an einer Wasserquelle vorbei, wo wir unsere Trinkflasche wieder auffüllten. Dann folgte ein breiter Wasserfall und ein Tor, durch das wir durch mussten. Danach begegneten wir immer wieder Schafe, die am Wegesrand lagen. Plötzlich lag ein bildschöner See mit glasklarem Wasser vor uns. Leider fing es jetzt gerade an zu regnen. Die fünf Franzosen trafen wir mit ihren Zelten wieder.

Danach erreichten wir die Hütte mit den traditionellen Waffeln, doch leider öffnete sie erst um 12 Uhr. Das war in 1,5 Stunden, doch so lange wollten wir nicht warten. Wir setzten uns in die offene Hütte und holten unsere Stulle raus. Anschließend ging es den 4 km langen Weg zurück zum WoMo. Ein wirklich tolles Tal hatten wir da entdeckt.

Über Kristiansund, wo wir erstmal ein kurzes Mittagsschläfchen machen mussten bevor wir die Stadt erkundeten, ging es zur Atlantikstrasse. Hier wurde eine kurze Sequenz vom James Bond-Film "Keine Zeit zu sterben" gedreht. Die Straße zieht sich über acht kleine Inseln und endet südlich in einer spektakulären Brücke. Dort übernachteten wir auch direkt an der Straße mit bestem Blick auf das Meer. 

 

Die Atlantikstrasse




22,06.2022 - Ålesund
Morgens war es schon echt laut an der Atlantikstrasse. Die LKWs breittreten dort lang. Nach einem kurzen Kaffee und Tee machten wir uns auf. Es war zwar bewölkt, aber trocken.

Nach nur wenigen Minuten kamen wir zu einem Coop mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeit. Wir nutzten die Chance und tankten Frischwasser wieder auf und ließen unser Grauwasser und Toilette ab. Wie einfach. Und dann gab's noch ein leckeres Brot für die Fahrt.

Nach ca. 50 km erreichten wir Molde. Die Fähre nach Ålesund wartete quasi auf uns. Als vorletztes Fahrzeug rollten wir auf's Schiff und dann ging’s schon los. Keiner kam zum Abkassieren, alles wird uns über unser Kennzeichen wie die Maut im Nachhinein berechnet.

Die E-Fähre braucht knapp 30 Minuten nach Vestnes. Dann waren es noch 40 km bis nach Ålesund. An der Color Line Arena konnten wir entspannt parken und dann mit den Fahrrädern in die City radeln. Zwei Kreuzfahrtriesen lagen im Hafen vor der Stadt.

Die Häuser im Jugendstil vermochten der Stadt ein ganz besonderes Flair verleihen. Wir bummelten durch die Fußgängerzone und gönnten uns noch ein Softeis mit Topping. Aber viel hatte auch diese norwegische Stadt genau wie Kristiansund nicht zu bieten. Und radelten wir zurück und fuhren weiter Richtung Trollstigen. Kurz davor schlugen wir unser Quartier in Åndalsnes auf und kochten uns die leckersten Nudeln mit Gorgonzola Sauce.
 
Jugendstilhäuser in Ålesund

 

23.06.2022 - Trollstigen und Geirangerfjord
Jugendliche verdarben uns etwas die Nachtruhe. Morgens gegen 8.30 Uhr brachen wir Richtung Trollstigen auf. Es war grau und bewölkt. Der Beginn der Serpentinen war nur 15 km entfernt. Und der Trollstigen war mega beeindruckend. Steil schlengeln sich die Serpentinen den Berg hinauf. In der Mitte ist eine Brücke, unter der ein tobender Wasserfall entlang fließt. Wahnsinn! Oben angekommen erwartete uns eine Aussichtsplattform, von der man spektakuläre Fotos schießen konnte. Echt eindrucksvoll. 

Die Serpentinen des Trollstigen - Hammer!


Danach ging es durch den Reinheimen Nationalpark. Immer wieder gab es Aussichtspunkte, an denen man gern anhielt. Die Natur ist sooo wunderschön hier! Rentiere haben wir allerdings noch nicht gesehen.

Langsam kamen wir dem Geirangerfjord immer näher. Und auf einmal kamen uns immer mehr Reisebusse entgegen. Schon der erste Blick auf den Fjord verriet schon, woher die Menschen in den Bussen kamen. Ein Kreuzfahrtschiff lag vor Anker. Am Ende waren es sogar zwei. Plötzlich staute es sich sogar auf der Einfallstraße nach Geiranger. Das waren uns zu viele Menschenmassen. Und dann kam sogar noch ein Hurtigruten Schiff in den Fjord gefahren. 

UNESCO-Weltkulturerbe Geirangerfjord

 Die Nacht verbrachten wir auf dem Parkplatz am Schiffsanleger..



24.06.2022 - Jotunheimen Nationalpark
Er ist der größte norwegische Nationalpark und hat die höchsten Berge. Und es soll der schönste Nationalpark sein ...

Morgens brachen wir schon gegen 8 Uhr in Geiranger auf. Die Aida war noch nicht da, die Fähre nach Hellesylt nahm langsam ihren Betrieb auf. Es ging die Serpentinen hinter Geiranger hinauf. Unterwegs hatten wir noch einen schönen Blick auf den leeren Geirangerfjord. Hier waren uns zu viele Menschen. Der kleine Ort verkraftet diese Massen nicht.

Die Straße 63 von Geiranger nach Dalnibbo führt auf 1.476m Höhe und ist sehenswert. Hier trafen wir auch die Oldtimer der Arctic Circle Rallye. Am Ende kamen wir sogar noch an einem zugefrorenen See vorbei. Dann bogen wir links auf die 258 bzw. 15 und folgten dem reißenden Fluss Otta über Grotli, Skjåk nach Lom.

Überraschend groß war dieser Ort und voller Leben. Als erstes ver- und entsorgten wir uns an der perfekt eingerichteten Station an der Esso Tankstelle. Dann besichtigten wir bei wolkenlosem Himmel die hölzerne Stabkirche, die wie ein Gebäude aus einem Fantasyfilm auf uns wirkte. 

Die Stabkirche aus Holz von Lom

 

Nach einem kurzen Einkauf fuhren wir weiter auf der 55, dem Landschaftsvegen zum Jotunheimen Nationalpark. Die Berge ringsum wurden immer malerischer, immer im Einklang mit Wasserfällen und wilden Bächen. In Krossbu stoppten wir, um hier wandern zu gehen. Die Tour führte uns zum Gletscher Smørstabbreen und hatte es in sich. Sie war gar nicht steil, aber wir hatten insgesamt ca. 10 Schneefelder zu überwinden, die uns zum Teil tief einbrechen ließen. Eine Zerreißprobe für unsere Wanderschuhe, doch sie hielten auch durch Schnee, Matsch und Bäche Stand. Am Ende kehrten wir trockenen Fußes zum WoMo zurück, parkten noch kurz um, gönnten uns einen Drink in der Abendsonne und genossen den Ausblick auf 1.200m. Die 20 € Camping-Gebühr vom Hotel Krossbu waren sehr gut angelegt fanden wir. 

Stellplatz in Krossbu auf 1.200m Höhe




25.06.2022 - Feigefossen am Lustrafjord
Morgens war Tanja gar nicht wach zu kriegen und schlief bis nach 9 Uhr. Das Wetter hatte umgeschlagen. Es war hier oben jetzt ziemlich stürmisch. Das Panorama war immer noch gigantisch.

Mitten durch den Jotunheimen Nationalpark ging es weiter durch eine Bergwelt voller schneebedeckten Gipfeln und zugefrorenen Seen. Wir kamen dann an einen Ort, wo sogar Skilanglauf trainiert wurde, teilweise in kurzen Hosen im Schnee. Hoch und runter ging die Straße auf über 1.600m Höhe. Serpentinen hoch, Serpentinen runter. Überall Schnee und Eis. Alle Straßen waren komplett frei und gut zu befahren.

In Skjolden verließen wir den Landschaftsvegen 55 und bogen Richtung Urnes ab. Die Straße war anfangs noch relativ breit ausgebaut wurde im Verlauf aber immer schmaler. Hier wurde es richtig warm am Lustrafjord. Zwei unbeleuchtete Tunnel mussten wir bis zum Wanderparkplatz passieren und immer hoffen, dass uns bloß kein anderer entgegengekommt. Puuuh war das aufregend.

Wir erwanderten den sehenswerten 232m hohen Wasserfall Feigefossen. Echt beeindruckend sind die Wassermassen, die da runter schießen. Der Weg war steil, aber dafür nicht so lang. Ein Tipp aus dem Wanderführer. Zum Abschluss gab es noch eine Waffel mit einer Kugel Eis im niedlichen Cafe am Lustrafjord. 

Wasserfall Feigefossen

Waffeln mit Eis im Cafe nebenan

 


Dann ging es zur Minifähre nach Urnes, wo die älteste Stabkirche Norwegens nicht einmal unsere Beachtung erhielt - wir Kulturbanausen. Die erste Fähre war mit 5 Fahrzeugen voll. Also warteten wir bei einem Aperol in der Sonne auf die nächste. Gegen 17.30 Uhr legten wir am Hafen von Solvorn an, ein total süßes Örtchen. An diesem Abend ging es noch zurück in den Jostedal Nationalpark, wo wir recht schnell eine Parkbucht fanden. Zu uns gesellten sich sogar noch zwei dänische Wohnwagengespanne. 

 

26.06.2022 - Nigardsbreen Gletscher
Die Nacht war sehr ruhig an der Straße. Gegen 8.30 Uhr fuhren wir zum Parkplatz des Nigardsbreen. Durch eine Schranke, an der wir 80 NOK zahlen mussten, gelangten wir auf den Parkplatz. Wir waren lange nicht die Ersten an diesem Sonntagmorgen.

Ich war erschrocken als ich den Gletscher in der Ferne sah. 16 Jahre war es seit meinem letzten Besuch her und seitdem hatte sich der Gletscher mindestens 500m zurüchgezogen. Der Klimawandel war schuld und wir alle sind der Klimawandel. Das hat uns beide ganz schön nachdenklich gestimmt.

Wir nahmen den Wanderweg direkt am Gletschersee. Es ging durch Bäche, auf Leitern und an Seilen hinauf und hinunter - ein wahrer Klettersteig für Anfänger. Erst ab dem Schiffsanleger wurde der Weg flacher und damit einfacher. Wir waren nicht auf derartige Strapazen eingestellt und diese Herausforderung kostete uns alle Kraft und Konzentration. Von hier waren es noch ca. 1,4 km bis zum Gletschereis. Man kam bis auf wenige Meter an das eisblaue Eis heran. Das war sehr beeindruckend. Nach vielen Fotos und Selfies traten wir den Rückweg an. Fix und fertig kamen wir am WoMo an. Zur Belohnung gab es erstmal eine Stulle. 

Die Eiskante des Nigardsbreen

Zurückgezogener Gletscher

 


Dann ging es weiter die 55 folgend zur 13, an der wir in Hella die Fähre nach Vangsnes nahmen. Wieder wurden wir nur abgescannt und mussten nichts bezahlen. Selbst der Kiosk war ein Selbstbedienungskiosk. Die Artikel musste man selber einscannen und bezahlen.

Den Landschaftsvegen 13 folgten wir bergauf zur Hochebene, die immer schöner würde. Erst sahen wir Eisschollen auf wunderschönen Bergseen treiben, dann ließ der Schnee nach und es setzte sich das satte Grün der Pflanzen durch. Auch hier raste das Schmelzwasser von den Bergen ins Tal. Überall sah man Wasserfälle. So stellte ich mir eigentlich Irland vor, mit Schafen und Rindern auf der Straße. In Voss verließen wir die E16, um uns an der Nebenstraße ein Nachtquartier zu suchen. Jetzt regnete es leider ganz schön doll.



27.06.2022 - Bergen
Unser Schlafplatz war morgens ganz schön laut. Schnell packten wir deshalb zusammen und es ging zurück auf die E16 nach Bergen. Tanja hatte einen Parkplatz im Vorort Nestun an einem Radschnellweg gefunden. Von hier sollten es noch knapp 10 km ins Zentrum sein.

Den Parkplatz fanden wir problemlos, aber er war voll. So'n Mist. Wir warteten kurz und plötzlich fuhr eine Frau mit einem fetten Volvo SUV davon. Da bugsierten wir Karlchen in die Parklücke. Passt.

Es ging die meiste Zeit bergab. Der Radschnellweg ist gut ausgebaut und wird stark frequentiert. Viele Norweger sind mit E-Bikes unterwegs. Wir waren schon gegen 10.30 Uhr mit unseren Rädern im Zentrum angekommen, wo gerade das Kaufhaus Galeri aufgrund eines Feueralarms evakuiert wurde.

Den halben Tag schlenderten wir durch Bergen, besichtigten Bryggen und die Altstadt. Es war echtes T-Shirt-Wetter. Zum Abschluss gönnten wir uns noch ein Aperol Spritz und ein Bier in der Bar Jeppe am Hafen. Hier konnten wir draußen in der Sonne unsere Drinks genießen. Das Aperol-Glas ließen wir mitgehen. 

UNESCO-Weltkulturerbe Bryggen in Bergen

 

Die Rückfahrt zum WoMo war beschwerlich, denn wir hatten Gegenwind und es ging bergauf. Ich konnte nicht mehr und schleppte mich mit letzer Kraft zurück.

Abends fanden wir am Helmfjord in Eikelandsosen einen schönen Stellplatz direkt am Wasser. Genau so wollte ich immer stehen. Wir grillten Lachs zu Pesto-Nudeln und einem gemischten Salat. Sehr lecker. Unsere Lagebesprechung verlegten wir nach innen, aber wir hatten hier einen super schönen Abend. An diesem Tag wurde Niklas 18 Jahre alt. Wahnsinn!

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