Reisen und das Gefühl von Freiheit

"Wir sind das Volk, wir sind das Volk". Es naht der 09.11.2019 - vor genau 30 Jahren endete die deutsch-deutsche Revolution friedlich im Mauerfall und Wiedervereinigung. Wenn ich diese Bilder sehe bekomme ich immer noch Gänsehaut und ich verstehe, dass die Sehnsucht nach Freiheit das elementare Bedürfnis in der DDR gewesen ist, welches den ganzen Staatsapparat zum Einstürzen brachte. 

Meinen 50. Geburtstag habe ich gerade groß gefeiert. Und mit ihm habe ich auch alle Reisen meines Lebens noch einmal Revue passieren lassen: 

Da war die erste Reise im eigenen Auto, meinem dunkelgrünen Audi 80, mit Zelt, Gaskocher und Freundin nach Hyéres in Südfrankreich am Mittelmeer. Ein Jahr später zog es uns in gleicher Kombi kurz vor dem Balkankrieg durch ganz Jugoslawien bis hin nach Chalkidiki in Griechenland. 1990 folgte meine erste Flugreise in die Türkei. Mit einer Gruppe von Freunden wollten wir in Antalya Freunde besuchen - eine Katastrophe.

Meine erste Rucksack-Tour machte ich beim Insel-Hopping auf den Kykladen. Ich bereiste damals Mykonos, Paros, Naxos und Santorin. Damals konnte man noch ein Zimmer, das meist von Einheimischen am Hafen angeboten wurde, für 10 DM pro Nacht bekommen. Heute bekommt man dafür nicht einmal eine Vorspeise.  

Drei Jahre später, 1993, bin ich mit der Hamburger Auswahlmannschaft nach Osaka in Japan geflogen. Im Rahmen dieser Reise besuchten wir auch Hiroshima. Das war der Beginn meiner Neugier nach anderen Kulturen. Es war super spannend.  

Ein Jahr später folgte meine erste private Fernreise nach Chile. Vier Wochen tourten Ilona und ich durch dieses so vielfältige Land Südamerikas. Von Santiago de Chile bis Punta Arenas im Süden liegen über 3.000 km, die wir natürlich geflogen sind. Dort waren wir ganz nah an Feuerland, haben Gletscher angefasst, neugierige Pinguine bestaunt, den Nationalpark Torres del Paine besucht. Zurück in der Hauptstadt waren es noch 19 Stunden Busfahrt in die Atacama-Wüste, um genau zu sein 1.700 km bis San Pedro de Atacama. Das war eine super Reise, auch wenn sie mich damals finanziell in den Ruin trieb. Achja London mussten wir uns auf dem Rückweg natürlich auch noch ansehen. Und damals gab es noch kein airbnb, Hotelzimmer waren in London schon immer recht teuer.

Die weiteren 90er Jahre waren von zahlreichen Russland-Reisen mit der Handballmannschaft von Hans-Dieter Trosse von der Universität Hamburg geprägt. Moskau, St. Petersburg, Samara, Chiesenau, Odessa - alles unvergessene Reisen. 

In diese Zeit fielen auch die schönen Ibiza-Fahrten mit den Handballfreunden. Was haben wir alles untereinander ausdiskutiert? Manchmal sind am Ende eines Tages sogar Tränen geflossen, aber wir sind daran gewachsen und es hat unsere Freundschaften intensiviert. 

2004 lernte ich Bördie kennen und mir ihr ihren VW Bus Multivan. Es folgten tolle Camping-Reisen nach Schweden und Kroatien.Und dann verwirklichten wir uns 2006 unseren Traum vom eigenen Wohnmobil. Karlchen war geboren. Wir hatten großen Spaß daran, autark zu sein und nicht zwingend auf einen Campingplatz stehen zu müssen. Jetzt stand nur noch der zeitliche Faktor im Weg. Neben einer Woche Urlaub im Jahr in verschiedenen deutschen Gebieten bereisten wir mit Karlchen Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Kroatien, Italien, Sardinien und Korsika - in diese Insel verliebten wir uns beide.

Selbst nach unserer Trennung 2013 wollten wir beide unbedingt Karlchen zusammen halten. Und ich bin so unendlich froh und dankbar, dass ich mit Tanja an meiner Seite auch so tolle Urlaube mit dem WoMo auf Elba, in Südtirol und Südwestfrankreich machen konnte. 

Aber es zog uns gleichermaßen auch in die Ferne: 2017/2018 tourten wir als Backpacker mit Rucksack insgesamt drei Monate durch Südostasien und durchreisten Thailand, Laos und Kambodscha. Im Februar 2019 ging es nach Sri Lanka, einem wunderschönen Land, das man gut in drei Wochen durchqueren kann. Beides waren wahnsinnig schöne Reisen, die ich nie vergessen werde.

     

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