BOTTLED LIFE: Nestlés Geschäft mit dem Wasser

Der Dokumentarfilm "Bottled Life" hat dem Schweizer Weltkonzern Nestlé  einen großen Imageschaden beschert und deckt Unglaublichkeiten auf. Moralisch verwerflich macht das Unternehmen Profite mit Trinkwasser in Gebieten der Dritten Welt, in denen Menschen nebenan dursten müssen.




Nestlé hat weltweit Wasserrechte gekauft, auch in sehr trockenen Regionen. Nestlé Waters investiert in Nigeria und Äthiopien. Mehr als sieben Milliarden Euro Umsatz jährlich macht der Schweizer Konzern im Geschäft mit dem Wasser. Das Prinzip ist ganz einfach: Sie verkaufen abgefülltes Tafelwasser. Das ist Leitungswasser in Plastikflaschen. Dieses wird direkt aus dem Grundwasser abgepumpt und wird deswegen in einigen Ländern von Wasserschutzgesetzen nicht erfasst.


Abessinien Springs, an denen Nestlé Waters eine Mehrheitsbeteiligung hat, pumpte laut The Guardian, letztes Jahr 50 000 Liter pro Stunde Wasser für seine Wasserproduktion ab. Mehr als die Hälfte dessen, was der Regierung für ihre Bevölkerung zur Verfügung steht. Flaschenwasser können sich die Menschen nicht leisten. So dursten sie weiter, obwohl sie eine Fabrik für Wasser in ihrer Region vor der Nase haben.


Es erinnert an Algerien. Hier erwarb Nestlé die Wassernutzungsrechte und lässt die Fabriken bewachen und einzäunen. In Pakistan das Gleiche. In diesen Ländern wird das Wasser angezapft und für viel Geld in Plastikflaschen wieder verkauft, während die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu diesem Wasser hat.

"Nestlé Pure Life" ist ein cleveres Business-Modell, gerade in den Ländern des Südens. Dort, wo die öffentliche Wasserversorgung versagt, stellt Flaschenwasser eine zwar kostspielige, aber sichere Alternative dar. In Lagos zum Beispiel, der Megacity Nigerias, hat Wasser immer einen Preis. Der Film zeigt, dass die Vision einer Stadt, in der alle für Wasser zahlen müssen, hier bereits Realität geworden ist. Die Familien in den Slums von Lagos wenden die Hälfte ihres Budgets dafür auf, Wasser in Kanistern zu kaufen. Die Oberschicht trinkt Pure Life.



Es gibt wenige Produkte, deren Gewinnspanne so enorm ist wie die von Mineralwasser. Was beinahe kostenlos aus der Erde kommt, erzielt später im Supermarkt einen höheren Verkaufspreis als Benzin an der Tankstelle. Flaschenwasser ist wohl der beste Marketingtrick der vergangenen 20 Jahre. Ein Lifestyle-Trend in einer Selbstoptimierungsgesellschaft, deren Grenzen sich längst von den Industriestaaten in Richtung Schwellen- und Entwicklungsländer ausgeweitet haben.



Auch dorthin folgen die Filmemacher dem Nestlé-Konzern. Sie zeigen, wie dessen Marke Pure Life durch gezielte Werbung in Pakistan zum Statussymbol und in Nigeria zu einer der wenigen zuverlässig sauberen Trinkwasserquellen wurde. Kein Getränk ist so stark verbreitet wie Pure Life. Es besteht in 27 Ländern aus gefiltertem, mit künstlichen Mineralien versetztem Leitungswasser und schmeckt überall gleich. Wo korrupte Regierungen die öffentliche Wasserinfrastruktur verrotten lassen, schließt Nestlé eine Marktlücke und scheffelt das Geld der Ärmsten.


64 Getränkemarken gehören zu Nestlé Waters, darunter Fürst Bismarck, San Pellegrino, Vittel und Perrier. Durch den Erwerb von Poland Spring, dem beliebtesten Mineralwasser der USA, kontrolliert Nestlé seit 1992 auch den amerikanischen Markt.








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