Die Geschichte der Tour de France

Gestern ging die 105. Tour de France zu Ende. Gesamtsieger der Rundfahrt wurde zum ersten Mal Geraint Thomas (Team Sky), vor Tom Dumoulin (Team Sunweb) und Vorjahressieger Chris Froome (Team Sky). In der Mannschaftswertung setzte sich das Movistar Team durch.

Die 1903 ins Leben gerufene Tour de France war das erste echte Etappenrennen in der Geschichte des Radsports. Enorme Distanzen waren schon zuvor bei Fernfahrten wie Paris–Brest–Paris (erstmals 1891, 1200 Kilometer) und Bordeaux–Paris (erstmals 1891, 577 Kilometer) zurückgelegt worden. Neu war aber die von dem französischen Journalisten Géo Lefèvre entwickelte Idee, mehrere Radrennen quer durch Frankreich direkt nacheinander zu veranstalten und die Zeiten zu addieren. Der programmatische Titel „Tour de France“ bediente dabei durchaus bewusst die patriotische Stimmung der Zeit.

Am 1. Juli 1903 begann die erste Tour de France an der ehemaligen „Auberge Reveil-Matin“ in Montgeron bei Paris. Es beteiligten sich 60 Fahrer. Die Rundfahrt führte über sechs Etappen mit insgesamt 2428 Kilometern von Paris über die Etappenstädte Lyon, Marseille, Toulouse, Bordeaux und Nantes zurück nach Paris. Zwischen den Etappen wurden mehrere Ruhetage eingelegt. Der favorisierte Franzose Maurice Garin war der Sieger der ersten Tour der Geschichte, mit einem Stundenmittel von über 25 km/h; das Preisgeld für den Sieg betrug 6075 Francs.







Die folgenden Ausgaben der Tour waren zunächst von einer Reihe von Skandalen geprägt, gipfelnd im Ausschluss der ersten Vier des Gesamtklassements bei der Tour de France 1904 unter anderem aufgrund von unerlaubter Benutzung der Eisenbahn. Bis circa 1910 konnte sich die Tour de France allerdings etablieren. Die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wird rückblickend als heroische Epoche der Tour bezeichnet, weil damals regelmäßig Tagesdistanzen von über 400 Kilometer zurückgelegt wurden. Aus heutiger Sicht erscheint dies genauso unglaublich wie die bescheidene damalige technische Ausstattung der Rennräder und die unzureichende Qualität der Straßen, die man heute nur noch bei kurzen Kopfsteinpflaster-Passagen der Radklassiker Paris–Roubaix und Flandern-Rundfahrt findet.
Später sorgte dann die Austragung von Etappen im Gebirge zusätzlich für den wachsenden Mythos des Rennens als Tour der Leiden. So wurde die erste Bergwertung 1905 am Ballon d'Alsace in den Vogesen ausgetragen. Später folgten auch Etappen im Hochgebirge, so beispielsweise in den Pyrenäen (erstmals 1910) und in den Alpen (erstmals 1911), zumeist auf abenteuerlichen Viehwegen, die damals noch ohne Gangschaltung bezwungen werden mussten. Die Skulptur Le Géant du Tourmalet soll an die erste Überquerung des Col du Tourmalet im Jahre 1910 erinnern.


Die Zahl der Etappen wurden nach und nach auf elf (1905), fünfzehn (1910), achtzehn (1925) und schließlich bis zu vierundzwanzig Etappen (1931) erhöht. Die Gesamtlänge der Tour stieg auf bis zu 5500 Kilometer. Im Gegenzug wurde jedoch die Länge der einzelnen Etappen stetig verkürzt. Die Anzahl der Ruhetage, die ab 1906 regelmäßig nach jeder Etappe eingelegt worden waren, verringerte sich. Seit den 1950er-Jahren wird die Tour de France weitgehend in ihrer heutigen Gestalt ausgetragen.

Ab 2005 gehörte die Tour zu der damals neu eingeführten UCI ProTour, einer Serie der wichtigsten Radrennen des Jahres. Nach drei Saisons wurde die Tour, zusammen mit anderen großen Etappenrennen wie Giro d'Italia oder Vuelta, ab 2008 nach Unstimmigkeiten zwischen der ASO und dem Weltverband UCI aus der Rennserie genommen. Seit 2011 gehört das Rennen zur Nachfolgeserie UCI World Tour.

Berühmte Fahrer, die die Tour dominierten waren der Belgier Eddy Merckx in den siebziger Jahren, der Franzose Bernard Hinault in den späten siebziger und achtziger Jahren, und der Spanier Miguel Indurain in den neunziger Jahren. Der Brite Chris Froome hat zuletzt dreimal nacheinander die Tour gewonnen: 2015, 2016 und 2017. In diesem Jahr gewann der Waliser Geraint Thomas die Tour.



Seitdem das Team Sky die Tour dominiert und sechs Siege in den vergangen sieben Jahren beschaffte, ist die Rundfahrt quasi dopingfrei, offiziell zumindest. Auch während der diesjährigen Auflage schlug bislang kein Test an. Und zur Wahrheit gehört auch, dass der Sport in der jüngeren Vergangenheit einiges in seine Betrugsfahndung investierte und einige Pharmabetrüger enttarnte, während andere Sportarten das Problem eher aussitzen, indem sie ihre Tests weitmaschig fassen. Aber wer sich mit Anti-Doping-Experten unterhält, die schildern, wie viele, kaum nachweisbare Mittel auf den Markt geschwemmt werden; wer die Haudegen sieht, die weiter in der Szene wirken; wer die Verwandlung mancher Fahrer verfolgt und ihr ungebrochen schnelles Tempo, was Experten die Sorgenfalten auf die Stirn treibt - der kann nur zu der Erkenntnis gelangen, dass es auch 2018 nicht so porentief sauber zugeht, wie es der Radsport gerne suggeriert.




























Kommentare