Die Überraschungen des Joachim L.
Seit 2006 ist Joachim Löw Bundestrainer. Seinerzeit hat er die Nachfolge von Jürgen Klinsmann angetreten und ist 2014 Weltmeister geworden. Nun steht die Mission Titelverteidigung an. Heute hat er die vorläufige Nominierung seines WM-Kaders für die Wettkämpfe in Russland bekanntgegeben. Immer wieder hat er bei Nominierungen für Überraschungen gesorgt. Hier nun die Überraschungen im Überblick:
WM 2006 (Deutschland): Das Trainerduo Klinsmann und Löw verblüfft mit der Nominierung des Dortmunders David Odonkor, dem Flügelflitzer ohne Länderspiel. Andere erwarten, sie seien dabei: Kevin Kuranyi, neben Fabian Ernst und Patrick Owomoyela der Promi unter den Gestrichenen, kann es kaum glauben, als Klinsmann anruft und ihn ausbootet: «Ich habe gelacht und gesagt: Das ist jetzt nur ein Spaß, oder?»
EM 2008 (Österreich/Schweiz): Auf Deutschlands höchstem Berg, der Zugspitze, sorgt Bundestrainer Löw gleich für mehrere Aufreger. Er streicht Torwart Timo Hildebrand, bis dahin die Nummer 2 hinter Jens Lehmann. Hildebrand reagiert «geschockt und irritiert». In Torwart René Adler und dem Gladbacher Zweitliga-Aufsteiger Marko Marin zaubert Löw dafür zwei Länderspiel-Neulinge aus dem Hut.
WM 2010 (Südafrika): Löw überrascht bei seiner vorläufigen 27-Mann-Liste mit den Neulingen Holger Badstuber und Dennis Aogo. Beide schaffen es auch in den 23-Mann-Kader für Südafrika. Torwart-Veteran Jörg Butt vom FC Bayern ersetzt den verletzten René Adler. Drei Spieler muss Löw «maßlos» enttäuschen: Für Thomas Hitzlsperger, Marcel Schäfer und Christian Gentner ist kein Platz.
EM 2012 (Polen/Ukraine): Immer was Neues bei Löw: Diesmal nominiert er nicht drei, sondern vier Torhüter. Der Gladbacher Marc-André ter Stegen darf die etablierten Kollegen herausfordern. Schalke-Talent Julian Draxler ist der andere Kaderneuling. Beide schaffen es nicht in das endgültige Turnieraufgebot. Zur gestrichenen Prominenz zählt unter anderen der erfahrene Mittelfeldspieler Simon Rolfes.
WM 2014 (Brasilien): Torjäger Mario Gomez und Torwart René Adler fehlen im zunächst 30-köpfigen Aufgebot. «Das ärgert mich unendlich», klagt Gomez. «Mario hat seit September nur 280 Minuten gespielt», begründet Löw. Die einstige Stammkraft Marcel Schmelzer fliegt im Trainingslager raus, auch Kevin Volland und Shkodran Mustafi erwischt es. Abwehrspieler Mustafi wird dann doch Weltmeister, weil sich Marco Reus im letzten Testspiel vor dem Abflug nach Brasilien verletzt und Löw dafür auf den letzten Drücker doch noch Mustafi mitnimmt.
EM 2016 (Frankreich): Löw beruft vier Youngster in das vorläufige 27-Mann-Aufgebot: Julian Brandt, Joshua Kimmich, Julian Weigl und Leroy Sané. Für vier Weltmeister - Torhüter Ron-Robert Zieler sowie die Feldspieler Matthias Ginter, Christoph Kramer und Erik Durm - ist kein Platz. Der Hammer aber folgt erst im Trainingslager in der Schweiz: Neben Karim Bellarabi, Julian Brandt und Sebastian Rudy streicht Löw auch Marco Reus aus dem endgültigen EM-Kader. «Er hat massive gesundheitliche Probleme. Er kann nur geradeaus laufen.»
CONFED CUP 2017 (Russland): Für den WM-Probelauf mit acht Nationen nominiert Löw den radikalsten Turnierkader seiner DFB-Amtszeit. Er verzichtet auf alle gestandenen Weltmeister und gibt lieber jungen Akteuren wie Timo Werner eine Chance. Dazu feiern die Senioren Lars Stindl und Sandro Wagner ein spätes DFB-Debüt. Geht das gut? Und wie! Das von Julian Draxler angeführte Perspektivteam holt in Russland den Titel: Stindl schießt beim 1:0 im Finale gegen Chile das Siegtor. Pech für den 29-jährigen Gladbacher: Die WM verpasst er verletzt.
WM 2018 in Russland: Überraschung in Joachim Löws WM-Aufgebot: Der Bundestrainer nimmt den Freiburger Stürmer Nils Petersen in seinen vorläufigen Kader für die Mission Titelverteidigung in Russland (14. Juni bis 15. Juli).
WM 2018 in Russland: Überraschung in Joachim Löws WM-Aufgebot: Der Bundestrainer nimmt den Freiburger Stürmer Nils Petersen in seinen vorläufigen Kader für die Mission Titelverteidigung in Russland (14. Juni bis 15. Juli).
Der 29-Jährige war in der abgelaufenen Saison mit 15 Bundesliga-Treffern der beste deutsche Stürmer und belegte in der Torschützenliste Rang zwei hinter Robert Lewandowski von Bayern München. Petersen bestritt noch kein A-Länderspiel, gewann 2016 in Rio de Janeiro aber mit der deutschen Olympiaauswahl Silber. Mit sechs Toren in sechs Spielen wurde der frühere Junioren-Nationalspieler Torschützenkönig.
Petersen bekam bei der Nominierung in Dortmund den Vorzug vor Sandro Wagner. Der Münchner steht nicht im Aufgebot von Löw. Zudem nominierte Löw die Stürmer Mario Gomez (VfB Stuttgart) und Timo Werner (RB Leipzig).

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