Auswanderer Stephan: Jetzt Palawan nach Boracay-Sperrung
“Wir sehen uns dann im November” waren seine Worte bei seiner Abschiedsgala im Quartier 21 in Hamburg-Barmbek. Sein Flug geht am 30.04.2018 nach Manila. Bis dahin hat er hier alle Zelte abgebrochen. Stephan wird auf die Philippinen gehen, um dort ein schöneres Leben zu führen. Doch seine Pläne sind kurzfristig durcheinandergewirbelt worden. Seine Trauminsel Boracay wird ab dem 26.04.2018 für sechs Monate für Touristen gesperrt.
2017 wurde Boracay vom Reisemagazin „Condé Nast Traveller” noch zur schönsten Insel der Welt gewählt worden. Im Februar 2018 hatte Präsident Rodrigo Duterte die Insel wegen Hygienemängel als Kloake bezeichnet und die Sperrung angeordnet. Eine Untersuchung ergab, dass viele Hotels ihr Abwasser samt Fäkalien direkt ins Meer leiten.
Außerdem erscheint die sechsmonatige «Erholungspause» für die Natur auf Boracay etwas unglaubwürdig, nachdem ja kürzlich die Erlaubnis für den Bau des größten philippinischen Hotels und, kurz darauf, für den Bau eines gigantischen Casino-Komplexes auf Boracay erteilt wurden. Auch wenn diese neuen Akteure die Umweltauflagen einhalten, werden sie auf jeden Fall für eine zusätzliche touristische Belastung sorgen.
Es scheint, als ob auf Boracay eine Bereinigung stattfindet, von welcher letztlich chinesische Unternehmen profitieren werden. Das ist umso bemerkenswerter, als letztes Jahr erstmals die Chinesen den größten Besucheranteil unter allen internationalen Touristen auf Boracay stellten. Was dies für die Besucherströme aus Europa langfristig bedeutet, wird sich zeigen müssen.
Eigentlich wäre die Insel eine Perle, doch sie leidet seit längerem unter Overtourism und einer überbordenden Partykultur. Natürlich verschwindet Boracay durch eine sechsmonatige Schließung, hauptsächlich in der Nebensaison, nicht von der touristischen Landkarte. Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl, wenn die zweitwichtigste Feriendestination auf den Philippinen einfach per Staatsdekret geschlossen werden kann.
Stephan lässt sich von der Sperrung Boracays aber nicht abhalten oder entmutigen und weicht auf die größere Nachbarinsel Palawan aus. Wir wünschen ihm alles Glück der Welt für sein mutiges Vorhaben. Und wir hoffen, an dieser Stelle noch einiges mehr von seinem neuen Leben auf den Philippinen zu berichten. Du bist herzlich eingeladen, Deinen Gastbeitrag hier zu veröffentlichen.
SPIEGEL online vom 06.04.2018
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